Was ist MBSR?  

Das Akronym MBSR setzt sich aus den vier Anfangsbuchstaben von Mindfulness-Based Stress Reduction zusammen und wird ins Deutsche übersetzt in „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“. Entwickelt wurde dieses Übungsprogramm Ende der 1970er Jahre von dem amerikanischen Molekularbiologen und emeritierten Anatomieprofessor Dr. Jon Kabat-Zinn am Medical Center der Universität von Masachusetts/USA.

„Ausgangspunkt bei der Entwicklung des MBSR-Programms durch Kabat-Zinn war die Not­wendigkeit, ein Angebot für chronische Schmerzpatienten zu schaffen. Es handelte sich um sogenannte ‚hoffnungslose Fälle‘, also austherapierte Patienten, bei denen die übli­chen Formen der Behandlung keine Besserung brachten.“ (Ott, U. (2015): Meditation für Skeptiker: Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst. München: O. W. Barth, S. 161 f.)

Seit 1979 wird das Verfahren als öffentlich zugängliche medizinische Dienstleistung angewendet und parallel dazu wissenschaftlich erforscht. Gegenwärtig – in über 240 Kliniken und Zen­tren weltweit – kommt das MBSR-Acht-Wochen-Training als eine kli­nisch-­therapeu­tische Methode ergänzend zu bestimmten medizinischen Behand­lun­gen zum Einsatz, vor allem aber bei chronischen Schmerzen sowie im Umgang mit Stress. Allerdings ist MBSR kein Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Thera­pien. Seit 2014 wird das achtsamkeitsbasierte Stressreduktionsprogramm nach § 20, SGB V von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert und von den gesetzlichen Krankenkassen als Präventionsmaßnahmen im Bereich Stressbewältigung anteilig refinanziert.

Durch die Anwendung „[...] einer Form der Meditation, die in den buddhistischen Tradi­ti­onen Asiens entwickelt wurde, einer streng geregelten und systematischen Schulung der Achtsamkeit“ ((Kabat-Zinn, J. (2013): Gesund durch Meditation : Das vollständige Grundlagenwerk zu MBSR. vollst. überarb. Neuausg. München: O. W. Barth, S. 45.) erlernen die Teilnehmer*innen einen verant­wortungsvollen Umgang mit sich selbst, mit Schmerzen, Krankheiten und anderen Her­ausforderungen ihres Alltags. Trotz der Wurzeln im Buddhismus – und das macht den MBSR-Ansatz so besonders – ist es ein von Glaubenssystemen und Weltanschauungen unab­hän­giges Verfahren. Jon Kabat-Zinn, der selbst seit 1966 die Achtsamkeits­me­di­ta­tion praktiziert, begründet das Herauslösen aus dem religiös-spirituellen Zusammen­hang unter anderem wie folgt:

„Als eine Form tiefer Versenkung in das eigene Wesen im Geiste der Selbstbesin­nung und Selbstfindung ist Achtsamkeit erlernbar und kann geübt werden, [...] ohne dass wir uns dabei auf die Kulturen des Ostens und buddhistische Traditionen berufen müssen. Acht­samkeit ist ein eigenständiges Medium der Selbstfindung und Heilung.“ (Kabat-Zinn, J. (2013): Gesund durch Meditation : Das vollständige Grundlagenwerk zu MBSR. vollst. überarb. Neuausg. München: O. W. Barth, S. 61.)

In einem mehrwöchigen Achtsamkeitstraining kann die akzeptierende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, ohne da­bei das Wahrgenommene zu bewerten, erlernt und vertieft werden. Die Teilneh­mer*innen beobachten, wie ihre Aufmerksamkeit immer wieder abschweift und sie sich in Gedanken mit Ver­gangenem oder Zukünftigen beschäftigen. Und allmählich erkennen sie die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit immer wieder bewusst in den gegenwärtigen Moment zurückholen zu können.

„D. h. anstatt quasi automatisch mit ihren Wahrnehmungen, Gedanken, Wünschen oder Gefühlen identifiziert zu sein, fokussieren die Achtsamkeitsausübenden ihre Aufmerksam­keit auf momentane Sinneswahrnehmungen wie z. B. die subtilen Kör­perempfindungen des Ein- und Ausatmens. Verankert in dieser gegenwartsbasier­ten Referenzerfahrung kön­nen sie erkennen, dass alle Gedanken, Wahrnehmun­gen, Gefühle, Handlungsimpulse wandelbare und vorübergehende Erscheinungen sind und dass ihr Bewusstsein nicht mit seinen Inhalten identisch ist.“ (Altner, N. et. al. (2018): Achtsamkeit in den Grundschulen einer ganzen Stadt fördern – ein NRW-Landesmodellprojekt. In: Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie, 49. Jg., Heft 2, S. 158f.)

Der Atem dient dabei als der Ort, an den der*die Achtsamkeitsübende jeden Augenblick wieder zurückkehren kann, denn er ist immer und gegenwärtig vorhanden.

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